Public Eye Award 2009: Kohlekraftwerk schlägt Milliardenverluste
Mit dem “Schmähpreis” Public Eye Swiss Award wurden dieses Jahr die Bernischen Kraftwerke BKW ausgezeichnet. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, sich einerseits in der Schweiz als nachhaltiges Musterunternehmen und “Partner für Energieeffizienz in KMU” darzustellen und andererseits 1.6 Milliarden Franken in ein neues Kohlekraftwerk in Deutschland zu investieren. Wenn Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung dermassen stark divergieren, liegt wirtschaftsethisch gesehen ein moralischer Wertekonflikt vor. Praktisch gesehen hat man es mit einem von der Nachhaltigkeitskommunikation selbst mitverursachten Glaubwürdigkeitsproblem zu tun.

- zunächst die Darstellung der BKW auf proofit.ch
- unten folgt die Sicht von Public Eye
Quelle BKW/proofit: BKW - Partner für Energieeffizienz in KMU
Die Bernischen Kraftwerke setzten auf erneuerbare Energien und unterstützen diverse Branchen mit Tools und Knowhow zur Energienutzung.
Die Bernischen Kraftwerke BKW sind ein grosser Schweizer Anbieter von Wind- und Solar-Energie. In sieben eigenen Wasserkraftwerken, im Kernkraftwerk Mühleberg, sowie in Kern- und Wasserkraftwerken von 16 Partnergesellschaften und mittels Bezugsrechten in Partner-Kernkraftwerken produziert die BKW praktisch CO2-frei Strom.
Die BKW ist federführend beteiligt an den grössten schweizerischen Alternativenergie-Produktionsanlagen (Sonnenenergieanlage Mont-Soleil, Windkraftwerk Juvent, Solarkraftwerk Stade de Suisse, Solarkraftwerk Jungfraujoch).
Zur Unterstützung von Stromsparbemühungen in KMU ist die BKW mit verschiedenen Branchen Energie-Partnerschaften eingegangen. So unterstützt die BKW Bäcker, Metzger, Hoteliers und weitere Branchen mit Tools und Knowhow.
Im Jahr 2008 haben die BKW und die Tochtergesellschaft sol-E Suisse AG ihre Tätigkeiten im Bereich neue erneuerbare Energien (neE) stark ausgebaut. Die BKW-Gruppe verfügte Ende 2008 in der Schweiz, Italien und Deutschland über bestehende und konkret geplante neE-Anlagen mit einer jährlichen Produktionskapazität von über 500 Mio. Kilowattstunden, entsprechend dem Jahresstromverbrauch von rund 150′000 Haushaltungen.
2009 sollen die neE-Tätigkeiten weiter verstärkt werden: Bis im Jahr 2030 sollen gegen 1.5 Miliarden Kilowattstunden neE-Strom im Inland produziert werden. Dafür rechnen die BKW mit einer Gesamtinvestition von über zwei Milliarden Franken.
Quelle Public Eye, 2009: Aus dem Augen, aus dem Sinn? Nein, Klimasünden verlieren ihre Wirkung nicht, weil sie ausserhalb der Landesgrenzen verübt werden. Der Schweizer Energieriese BKW expandiert nach Deutschland und verursacht dort mehr Dreck als zuhause. In der Schweiz präsentieren sich die Bernischen Kraftwerke (BKW) gerne als zukunftsorientiertes Unternehmen, das erneuerbare Energien und Effizienz fördert. Schizophrenerweise investieren sie zugleich rund 1,6 Milliarden in ein deutsches Kohlekraftwerk. Die geplante Dreckschleuder würde jährlich 4,6 Mio. Tonnen CO2 verursachen - soviel wie 10% der gesamten Schweizer Bevölkerung während eines Jahres erzeugen. Denn Kohle ist der mit Abstand klimaschädlichste Energielieferant. Das Kraftwerk im niedersächsischen Dörpen ist allerdings nur eines von vielen verantwortungslosen Projekten, die BKW fördern will.
Unverantwortliches Konzernverhalten
Rund 1,6 Milliarden will der Schweizer Energiekonzern BKW in ein Steinkohlekraftwerk im
Nordwesten Deutschlands investieren. Damit setzen die Bernischen Kraftwerke (BKW) bewusst auf
die klimaschädlichste Stromerzeugungstechnologie: Kohle. Dies obwohl wissenschaftliche Studien
wie der Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change zeigen, dass der Treibhausgehalt
schnell und drastisch sinken muss, will man die schlimmsten Folgen des Klimawandels verhindern.
In der Schweiz profiliert sich die Firma als Förderin erneuerbarer Energien, während sie im
benachbarten Ausland eine Dreckschleuder finanziert. Der Bau im 4000-Seelendorf Dörpen soll
2009 beginnen. 2014/15 wird das Kohlekraftwerk mit 900 Megawatt (MW) seinen Betrieb
aufnehmen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs: BKW plant weitere Investitionen in
fragwürdige Kohleprojekte.
Folgen
In Zahlen bedeutet dieser CO2Export, dass das Kohlekraftwerk jährlich rund 2,3 Mio. Tonnen
Steinkohle verschlingt und dabei 4,6 Mio. Tonnen C02 verursacht. Dies entspricht zirka 10 Prozent
des gesamtschweizerischen CO2-Ausstosses. Im Vergleich zu Erdgas setzt Kohle pro Kilo-Watt-
Stunde 70 Prozent mehr CO2 frei und belastet das Klima unnötig. Mit ihren massiven Investitionen
in einen der schmutzigsten Energieträger untergräbt der Konzern zudem hiesige Bemühungen, die
Treibhausgase möglichst zu reduzieren, um die Schweizer Klimaschutzziele zu erreichen. Mit
BKWs Investition in das deutsche Kohlekraftwerk gehen Milliarden verloren, die dringend für
erneuerbare Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz gebraucht werden. Während im
geplanten Kohlekraftwerk Dörpen gerade mal 100 Personen beschäftigt sein werden, liesse sich
mit vergleichbaren Investitionen in erneuerbare Energien ein Vielfaches an Arbeitsplätzen schaffen.
Und der Abbau von Kohle - insbesondere im Tagbau - schädigt die Natur massiv. Ganze
Landstriche verschwinden. Das Kohlekraftwerk verursacht zudem jährlich 400 Tonnen Staub, der in
die Luft gelangt, was zu einer dauerhaften Belastung führt für Tausende von Menschen und die
Umwelt. Die Energiegewinnung aus Kohle setzt auch jährlich rund 6 Tonnen Blei frei. So gelangen
Unmengen von Schwermetallen in den Ernährungskreislauf.
Aktueller Stand und Forderungen
Die Genehmigung für das Kraftwerk ist noch nicht erteilt. Greenpeace fordert, dass BKW die
Projektplanung stoppt und auf den Bau verzichtet. Auch die deutsch-niederländische
Bürgerinitiative „Saubere Energie” will, dass BKW das klimaschädliche Projekt in Dörpen aufgibt.
Selbst der Kanton Bern als Mehrheitsaktionär ist gegen eine Beteiligung von BKW in Dörpen. Doch
der Energiekonzern weigert sich aus dem Projekt auszusteigen und sucht stattdessen nach
Investitionspartnern, die die CO2-Schleuder mittragen würden. Es ist absurd, dass sich BKW in der
Schweiz für Projekte mit erneuerbarer Energie engagiert, im Ausland aber zum Klimasünder wird.
BKW soll sich nicht länger zukunftsblind verhalten, sondern weiter und ausschliesslich in
klimafreundliche Energieträger investieren, wie die Imagewerbung von BKW dies schon lange
suggeriert. Bis 2020 soll der CO2-Ausstoss in Deutschland und der Schweiz gegenüber dem Niveau
von 1990 um insgesamt 30% sinken. BKW muss dazu seinen Beitrag leisten. Das Unternehmen
muss beispielsweise die Effizienz bereits bestehender BKW-Wasserkraftwerke steigern, indem es
sie gemäss den Richtlinien von Pro Natura ökologisch saniert, ohne die Kapazität auszubauen. Als
die Firma im Rahmen des internationalen Carbon Disclosure Projekts (CDP) nach ihrem
Reduktionsplan gefragt wurde, legte sie aber keine Strategie vor.

